Buchtipp: Die Kommissare: Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950)

Auf 504 Seiten gibt das Werk „Die Kommissare. Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950)“ Einblicke in den Alltag und die Entwicklung der Kripo in der Landeshauptstadt. Direktlink zu Amazon: https://amzn.to/2RYWfL0

Verbrecherjagd, Bekämpfung von Kriminalität und die tägliche Kripoarbeit im sich wandelnden Düsseldorf: Der neue Band „Die Kommissare. Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950)“ schildert erstmals die Geschichte der Düsseldorfer Kriminalpolizei von den Zwanziger Jahren bis in die Frühe Nachkriegszeit. Den 504-seitigen, großformatigen und reich bebilderten Band, dessen Herausgeber der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Dr. Bastian Fleermann, ist, wurde am Dienstag, 11. Dezember, offiziell vorgestellt. 15 Autorinnen und Autoren füllten den Band mit unterschiedlichen Einzelbeiträgen.

Impressionen einer „Großstadtkriminalität“

Als Recherchegrundlagen für das Werk, das etwa 420 Abbildungen umfasst, dienten verschiedene Archive im In- und Ausland: Impressionen einer „Großstadtkriminalität“ um 1930 haben so zum Beispiel die Akten im Berliner „Sonderbestand Gennat“ geboten: Der Kriminalpolizeirat Ernst Gennat war Chef der Berliner Mordinspektion und sollte 1929/30 die Düsseldorfer Kollegen bei den Ermittlungen in der Mordserie „Kürten“ unterstützen. Gennat sammelte im Polizeipräsidium Berlin Materialien über schwere Straftaten, vornehmlich Ermittlungsakten und Tatortfotos, Zeitungsausschnitte und Berichte über Mordsachen aus dem gesamten Reich. So waren dort ebenfalls ausführliche Unterlagen zur gesamten Mordserie des Peter Kürten zu finden. Die bis zu Gennats Tod 1939 angelegten Akten standen dem Präsidium auch danach als „Zentralkartei für Mordsachen und Lehrmittelsammlung“ zur Verfügung; sie wurden für die Aus- und Fortbildung benutzt.

Von den Zwanziger Jahren bis in die Frühe Nachkriegszeit

Insgesamt umspannt das Werk der Mahn- und Gedenkstätte die Entwicklung der Kriminalpolizei von 1920 bis 1950: Nach dem Ersten Weltkrieg stand der Kriminalpolizei ein Neuanfang bevor: Modernisierung, Bürgernähe und die Nutzbarmachung der Naturwissenschaften sollten nun auf der Tagesordnung stehen. Die Kripo sollte informieren und Präventionsarbeit leisten, Kriminellen gegenüber jedoch hart und unnachgiebig sein. Mit der 1926 durchgeführten Verstaatlichung der Düsseldorfer Polizei arbeitete man auch am Imagewandel der Kriminalpolizei. Ein „Kriminalmuseum“ informierte die Öffentlichkeit, ein Polizeiwerbefilm zeigte in den Kinos den Polizisten „neuen Typs“. Erst die Mordserie des Peter Kürten 1929/30 brachte das neue Vertrauen wieder ins Wanken. Hysterie und Denunziantentum erschütterten die Rheinmetropole.

Die Nationalsozialisten nutzten die Kriminalpolizei nach 1933 zunächst für ihr Vorgehen gegen Bettler, Außenseiter, Dirnen, Trinker und „Arbeitsscheue“. Die Kripobeamten versprachen sich eine neue Zeit: Im „Dritten Reich“ sollte es kaum noch Kriminalität geben, und die Kriminalisten verstanden sich als „Ärzte am Volkskörper“. Gleichzeitig wuchs der Zuständigkeitsbereich enorm an: Als „Kriminalpolizeileitstelle“ war die Kripo Düsseldorf ab 1936 für die „Verbrechensbekämpfung“ in der gesamten Region verantwortlich. Sie überwachte die Arbeit der Kripo am Niederrhein, im Ruhrgebiet und fast in ganz Westfalen.

Kampf gegen „Gemeinschaftsfremde“ oder „Volksschädlinge“

Neben der regulären Fahndungs- und Ermittlungsarbeit beteiligten sich die Beamten immer aktiver an den Verbrechen des NS-Regimes: Menschen wurden als angebliche „Asoziale“, „Gemeinschaftsfremde“ oder „Volksschädlinge“ regelrecht „aussortiert“ und in Konzentrationslager verschleppt. Sie wurden Opfer einer brutalen „Reinigung des deutschen Volkskörpers von unerwünschten Elementen“.

Das verantworteten die Kriminalisten aber nicht nur an der „Heimatfront“, sondern nach Kriegsbeginn auch nahezu im gesamten besetzten Europa. Die Kommissare, von denen viele über Jahrzehnte hinweg im Dienst waren, beteiligten sich an Massenerschießungen, der Ghettoüberwachung und angeblicher „Bandenbekämpfung“. Kripobeamte aus Düsseldorf und aus dem Rhein-Ruhr-Raum wurden zu Kriegsverbrechern und Tätern des Holocaust. Sie nutzten dabei alle Möglichkeiten, ihrem Handeln waren kaum noch Grenzen gesetzt. Die rasante Modernisierung der Weimarer Zeit und die Nutzbarmachung von riesigen Karteien, Listen und Erfassungen waren allesamt keine Gegensätze zu dem dann folgenden Rückfall in Gewalt und Entgrenzung. Sie waren vielmehr dessen Voraussetzung.

Das Jahr 1945 beendete zwar die Strukturen und Massenverbrechen der nationalsozialistischen Kriminalpolizei, nicht aber die einzelnen Karrierewege der Beamten. Viele verblieben im Dienst – bis weit in die Nachkriegszeit hinein.

Hintergrundinformatonen zum neuen Band

Bei dem Werk handelt sich um eine Regionalstudie mit konkreten Beispielen aus Düsseldorf, Krefeld, Hilden, Mönchengladbach, Essen und Duisburg, Dortmund und Wuppertal.

Im Sammelband befinden sich Einzelbeiträge von Wolfgang Antweiler (Stadtarchivar von Hilden), Walter Daugsch (Historiker an der Heine-Universität), Andrea Ditchen und Bastian Fleermann (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf), der Journalistin Stefani Geilhausen, des Historikers Markus Günnewig (Gedenkstätte Steinwache Dortmund), Peter Henkel (Haus der Landesgeschichte NRW), Annette Janatsch, Hildegard Jakobs und Immo Schatzschneider (alle Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf), der Historikerin Heidi Sack (Mönchengladbach), der pensionierten Kriminalbeamtin Karin Kienast, des Historikers Joachim Schröder (Hochschule Düsseldorf), des Autors Hermann Spix, des Wuppertaler Historikers Stephan Stracke und der Juristin Waltraud Vietor.

Das Buch wird herausgegeben im Auftrag des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte. Die Drucklegung wurde durch eine große Anzahl an Sponsoren und Drittmittelgebern finanziert, darunter etwa die Deutsche Gesellschaft für Polizeigeschichte, die Anton-Betz-Stiftung oder die Landeszentrale für politische Bildung NRW.

Es erscheint im Düsseldorfer Droste-Verlag in gebundener Ausgabe und im Großformat mit Leinenrücken und Lesebändchen. Es umfasst 504 Seiten mit insgesamt 420 Abbildungen. Es ist ab sofort für 49 Euro im Buchhandel und in der Mahn- und Gedenkstätte erhältlich.

Quelle: Pressemeldung duesseldorf.de